Yeti-Krabbe. Ein Leben in der Hexenküche

Das mit der Yeti-Krabbe ist kein Witz, die gibt es wirklich. Dass sie tatsächlich existiert, weiss man noch nicht so lange: Ihr Lebensraum befindet sich in der Tiefsee, weit weg vom Menschen. Allerdings wohl nicht weit genug.

Ganz ehrlich, es gibt optisch ansprechendere Tiere. Das Dikdik zum Beispiel. Oder den Brüllaffen. Die Yeti-Krabbe hingegen ist durchgehend weiss, irgendwie hartschalig, bar jeder Mimik und ganz ohne süssen Augenaufschlag. Einzige Deko ist das „Fell“, das Arme, Beine und Bauch bedeckt. Zum Streicheln allerdings ungeeignet, denn zwischen den langen Borsten sind noch kürzere und härtere mit Stacheln. 

 

Wellness plus in der Tiefsee

Aber nur wenige Lebewesen haben einen spektakuläreren Lebensraum als die Yeti-Krabbe: Sie wohnt an den Schloten der Schwarzen Raucher. Diese befinden sich an den Rändern der Kontinentalplatten, dort wo die Erdkruste besonders dünn ist. Meerwasser dringt in Spalten der Platten ein und wird dort in der Tiefe von dem Magma im Erdinneren erwärmt. Auf ungemütliche 300-400 Grad aufgeheizt, dringt das Wasser dann als giftiges Gebräu aus den Schwarzen Rauchern heraus. Giftig deswegen, weil das Wasser Schwefelverbindungen und Schwermetalle enthält. In der Kälte der Tiefsee werden die gelösten Metalle wieder fest und lagern sich ab. 

Selbstversorger am Meeresgrund

Erstaunlicherweise sind die Schwarzen Raucher aber die am dichtesten besiedelten Lebensräume der Tiefsee. Hier tummeln sich zahlreiche Arten, die sich entweder von Bakterien oder von einander ernähren, da unten darf man halt nicht mäkelig sein mit dem Essen. Die etwa 15 Zentimeter grosse Yeti-Krabbe macht da übrigens ganz einen auf Selbstversorger: Mit ihren Borsten sammelt sie Bakterien ein, kultiviert diese anschliessend auf ihrem Bauchfell, um sie dann bei Bedarf zu verspeisen. Die langen Borsten sind also für die Bakterienzucht wichtig und die Kurzen – da spekuliere ich jetzt mal – wahrscheinlich für die Orientierung in der nachtschwarzen Umgebung.

 

Die Bakterien sind übrigens auch etwas ganz Spezielles: Ihre Energie gewinnen sie aus gelöstem Schwefelwasserstoff, sie betreiben also Chemosynthese. 

Kinderstube im sicheren Abstand

Bis jetzt wurde die Yeti-Krabbe nur im Pazifik südlich der Osterinseln gesichtet. Die Tiere hocken da dicht auf dicht aufeinander, bilden ganze Yeti-Krabben Teppiche. Während die Männchen im mittleren bis oberen Bereich der Schwarzen Raucher sitzen, halten die Weibchen etwas mehr Abstand, vor allem, wenn sie schwanger sind. Die Weibchen der Yeti-Krabben entlassen ihre Larven dann, wenn diese soweit allein lebensfähig sind, in das kühlere Umgebungswasser. Dort wachsen die Larven zwar langsamer, sind da aber sicher vor dem Tod im Kochtopf. 

Bedrohter Lebensraum (wie immer)

Es scheint unglaublich, aber auch der Lebensraum der Yeti-Krabbe ist vom Menschen bedroht. Dort in der Tiefsee finden sich nämlich Seltene Erden, die der Mensch für allerlei elektronischen Schnickschnack benötigt. Es bleibt zu hoffen, dass sich die verschiedenen Umweltschutzorganisationen mit ihrem Anliegen, eine Schutzzone um die Schwarzen Raucher einzurichten, durchsetzen können. Nicht dass aus der Yeti-Krabbe die Dodo-Krabbe wird: kaum entdeckt, schon ausgestorben.

Zum Beweis: Ein Dikdik